Mikrokredite

Der Begriff „Mikrokredit“ dürfte den Meisten im Zusammenhang mit der Wirtschaftsförderung in den Entwicklungs- und Schwellenländern bekannt sein, die durch Kleinstkredite Existenzgründungen für sozial Benachteiligte ermöglichen. Dabei handelt es sich hier um keine wirklich neue Erfindung. Denn schon vor 150 Jahren entwickelte Friedrich Wilhelm Raiffeisen ein Genossenschaftsmodell, dass auf dem Selbsthilfe- und Solidaritätsprinzip beruhte und auf dem viele Mikrokreditformen in der Dritten Welt basieren.

Erst in den 1990er Jahren kehrte diese Idee wieder zurück nach Europa. Durch die steigende Zahl der Existenzgründer, die in jenen Jahren der wachsenden Arbeitslosigkeit entkommen wollten, tat sich eine zunehmende Finanzlücke auf. In den Niederlanden wurde deswegen beispielsweise Privatkapital aktiviert, um Existenzgründungen zu ermöglichen. Ein ähnliches Modell entstand 1989 in Frankreich. Anfang 2010 beauftragte die deutsche Bundesregierung die GLS Gemeinschaftsbank mit dem Aufbau eines „Mikrokreditfonds Deutschland“.

Viele Geldinstitute benutzen allerdings den Begriff „Mikrokredit“ gelegentlich auch in synonymer Weise, für andere Arten von Kleinkreditprogrammen. Diese beinhalten aber selten eine begleitende Betreuung, die beim Original obligatorisch dazu gehört. Denn durch die engmaschige Verbundenheit des Mikrofinanzierers mit dem Kleinstunternehmen, können frühzeitig Empfehlungen zur Verbesserung des Geschäftsbetriebes mit dem Inhaber abgesprochen werden. So ist es auch möglich, besser auf etwaigen Krisen schneller zu reagieren und diesen entgegenzusteuern.

Die Höhe des Kredites legen grundsätzlich die jeweiligen Organisationen selbst fest. In der Regel liegt das Finanzierungsvolumen bei 1 bis 25.000 Euro. Die Untergrenze von nur 1 Euro ist dabei ganz bewusst so niedrig festgelegt, um auch wirklich die kleinsten Finanzierungen verwirklichen zu können. In den meisten Fällen beginnen die Kredite aber in einem Umfang von 1.000 Euro.

Der bedeutendste Vorteil eines Mikrokredites ist wohl, dass es überhaupt eine Finanzierung von Kleinstunternehmungsgründungen existiert. Denn die meisten der etablierten Geschäftsbanken lehnen eine solche Kleinstvergabe aus wirtschaftlichen Gründen ab. Für sie ist die Vergabe eines solchen Kleinstkredit mit einem zu hohen Verwaltungsaufwand verbunden, der mehr Kosten verursacht als letztendlich erwirtschaftet werden kann. Bei den Mikrofinanzierern werden die Kosten einer Vergabe meist über Projektmitteln oder Stiftungen finanziert.

Ein weiterer Vorteil eines Mikrokredites sind die niedrigen bürokratischen Hürden, die überwunden werden müssen. Der Zeitraum zwischen der Beantragung und Auszahlung des Betrages dauert in der Regel nur wenige Tage. Der Zins eines Mikrokreditprogramms ist allerdings höher, als bei speziell aufgelegten Förderprogrammen. Aber letztendlich ist dieser Zinssatz wiederum niedriger als die Überziehungszinsen von Girokonten, die in der Regel bei Finanzabsagen als „Notnagel“ herhalten müssen.

Aber auch Mikrokredite bergen einige Nachteile. Denn nicht alle dieser Kleinstkredite sind auf die Bedürfnisse von Klein- und Jungunternehmen wirklich gut angepasst. Einige Rahmenbedingungen können sogar so einschneiden sein, dass von einer Inanspruchnahme dringendst abgeraten werden muss. So ist beispielsweise die Laufzeit beim Deutschen Mikrokreditfond auf maximal 3 Jahre begrenzt. Bei einer maximalen Kredithöhe von 20.000 Euro, ergibt sich daraus eine monatliche Rate von circa 630 Euro (je nach Zinssatz). Für ein Kleinstunternehmen kann dies schnell zu einem Damoklesschwert werden.

Leider gibt auch mittlerweile einige unseriöse Mikrofinanzierer, die oft noch nebenher versuchen eigene Produkte zu verkaufen, wie zum Beispiel Versicherungen oder dergleichen. Oder es treten angebliche Vermittler auf, die vorgeben, auf Provisionsbasis, Mikrokredite zu vergeben. Beide Fälle sind nicht statthaft und damit unzulässig. Aus diesem Grunde sollte jeder Interessent genau hinsehen, mit wem er es zu tun hat.

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